Dienstag, 19. März 2013

Blanchard et al. (2010): Makroökonomische Lehren aus der Krise

Aus keinem besonderen Anlass habe ich soeben wieder einmal das Paper von Blanchard, Dell'Ariccia und Mauro (2010) gelesen, die zunächst aufarbeiten, welche Umstände zu der unter Makroökonomen vor der Krise weit verbreiteten Überzeugung führten, dass alle geld- und fiskalpolitischen Instrumente zur Verfügung stünden, die notwendig sind, damit eine stets funktionierende Feinsteuerung der Wirtschaft gewährleistet werden kann. Doch das Paper hat auch mehr als drei Jahre nach der Veröffentlichung nicht an Aktualität eingebüßt, wenn es darum geht, Denkanstöße dafür zu liefern, welche geld-, fiskal- und regulierungspolitischen Fragestellungen zukunftsweisend sein werden. Es handelt sich hierbei um ein Paper, das jeder Wirtschaftsinteressierte gelesen haben sollte.

Montag, 18. März 2013

Links, 18. März: Bailouts und Bankruns

Ein paar interessante Links:

Antonio Fatas argumentiert, dass die mit dem Bail-out von Zyperns Banken verbundenen Konditionen (Haircut auf Spareinlagen bei Banken) als Präzedenzfall für den Umgang mit anderen Ländern interpretiert werden könnte, was Bankruns wahrscheinlicher mache.

Auch Wolfgang Münchau meint, dass Europa mit einem hohen Risiko verheerender Bankruns konfrontiert ist, weil mit dem Fall Zyperns die europäische Einlagensicherung de facto obsolet sei.

An dieser Stelle sei auf zwei interessante akademische Papers zu den oben angesprochenen Themen verwiesen, die - obwohl schon ein wenig älter - interessante Einsichten in die oben angeführten Zusammenhänge geben:

Diamond und Dybvig (1983) führen ein formales Modell für Bankruns ein; und Barry Eichengreen (1991) beschäftigt sich mit einer Kapitalabgabe als "Einmalsteuer"auf alle Vermögensinhaber mit dem Ziel des Abbaus öffentlicher Schulden, was für die Bailout-Konditionen in Bezug auf Zypern relevant ist.




Dienstag, 27. November 2012

Amartya Sen über den Zustand der Volkswirtschaftslehre und den Zugang zur Wissenschaft Ökonomie



(Interviewer) Wie sollte neues ökonomisches Denken aussehen?
(Amartya Sen) Wir brauchen einen breiteren, ganzheitlicheren Blick. Wir müssen die gesamte Bandbreite der menschlichen Bedürfnisse sehen, die für Wohlstand notwendig sind. Ich wünsche mir ein ökonomisches Denken, das der menschlichen Freiheit größere Aufmerksamkeit schenkt. Ich meine nicht nur formale Rechte, sondern echte Freiheit - dass jeder Einzelne bestimmen kann, was er für ein Leben führt und was er erreicht. Die grundlegende Frage, die sich Ökonomen stellen sollten, ist: Was können wir tun, um eine anständige Gesellschaft zu haben, in der die Menschen weit mehr Freiheit haben, ein Leben zu führen, auf das sie stolz und glücklich sind. Und wir müssen uns fragen, welche Hilfe der Staat leisten kann, damit es diese substanzielle Freiheit gibt.
Sie beziehen sich immer wieder auf alte Denker wie etwa Smith, Keynes und andere. In der modernen Ökonomie spielt die Ideengeschichte aber keine große Rolle mehr…Das ist leider so. Unsere Disziplin hat die Ideengeschichte in den letzten Jahrzehnten sehr vernachlässigt. Das war einer unserer größten Fehler.
Gibt es Hoffnung, dass dieser Trend umgekehrt werden kann?Ja, ich bin da recht optimistisch. Es findet ein Umdenken statt. Besonders freut mich, dass der Anstoß von den Studenten kommt - deren Interesse an der Ideengeschichte steigt. Letztes Jahr haben meine Frau Emma Rothschild und ich in Harvard ein Seminar zu Adam Smith's Philosophie und Wirtschaftspolitik angeboten. Das ist auf großes Interesse gestoßen, wir haben einige der besten Studenten angelockt.
Ist der starke Fokus, den moderne Ökonomen auf Mathematik legen, die Kehrseite der Vernachlässigung der Ideengeschichte?Nein. Es besteht kein Konflikt zwischen der Mathematik und anderen Methoden. Unser Fach ist seit jeher eng mit der Mathematik verbunden. Dafür müssen wir uns nicht schämen. Wir dürfen uns nur nicht ausschließlich auf mathematische VWL konzentrieren und Erkenntnisse vernachlässigen, für die andere Arten der Argumentation nötig sind. Der Konflikt herrscht zwischen einem ganzheitlichen, breiten, umfangreichen Blick im Gegensatz zu einem engen Blick - ob der nun mathematisch ist oder nicht.
Quelle: Handelsblatt

Dienstag, 16. Oktober 2012

IWF vollzieht Kehrtwende in Sachen kontraktive Fiskalpolitik


Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird seit vielen Jahren immer wieder massiv wegen seiner harten Sparauflagen kritisiert, die er zur Bedingung für Milliardenkredite an überschuldete Länder macht. Von „Kaputtsparen“ ist dabei häufig die Rede. Auch in der europäischen Schuldenkrise drängte der IWF bisher auf scharfe Einsparungen nicht zuletzt bei Sozial-, Pensions- und Gesundheitsausgaben.
Doch in seinem jüngsten globalen Wirtschaftsausblick, den der Fonds vor wenigen Tagen in Tokio präsentierte, vollzieht Chefökonom Olivier Blanchard eine Kehrtwende. Versteckt in einer Fact-Box kommt der IWF in dem Bericht (Seite 41 bis 43, Anm.) zum Schluss, dass übermäßiges Sparen das erklärte Ziel, die Schulden in einem überschaubaren Zeitraum zu verringern, verfehlt. Das kommt einem indirekten Schuldeingeständnis gleich. Die „Financial Times“ spricht in einem Kommentar von einem „Akt des Aufstands“, mehrere Finanzexperten sprachen am Wochenende von dem wichtigsten makroökonomischen Ereignis dieses Jahres.
Konkret bezieht sich der IWF auf eine Studie, die zeigt, dass der Einfluss der Steuerpolitik auf das Wachstum viel höher ist als bisher angenommen - und als sie der IWF zur Basis für seine Sparauflagen machte. Demnach ging der Fonds in der Regel von einem fiskalpolitischen Multiplikator von 0,5 aus. Das bedeutet, dass die Wirtschaft für jeden Euro an öffentlichen Ausgaben weniger um 0,50 Cent schrumpft. Laut der aktuellen Studie liegt dieser Effekt aber deutlich höher - bei 0,9 bis 1,7.
Quelle: orf.at

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Fed's Beige Book: Economic Activity, consumer spending and real estate

From the Fed's Beige Book:
Reports from the twelve Federal Reserve Districts indicated that economic activity generally expanded modestly since the last report.

Consumer spending was generally reported to be flat to up slightly since the last report. A number of Districts characterized retail sales as expanding at a modest pace (...)Residential real estate showed widespread improvement since the last report. All twelve Districts reported that existing home sales strengthened, in some cases substantially. Selling prices were steady or rising. Boston, Atlanta, Minneapolis, Dallas and San Francisco noted declining or tight inventories, which have put upward pressure on prices. Modest price increases were reported in the New York, Richmond, Chicago, and Kansas City Districts. New York and Richmond reported relatively strong demand at the high and low ends of the market, whereas Philadelphia and Kansas City noted relative strength for mid-range homes; Boston indicated a shift in the mix toward lower or medium priced homes. New home construction and sales were more mixed but still mostly improved: increased construction and/or new home sales were reported in the Atlanta, Chicago, St. Louis, Kansas City, Dallas and San Francisco Districts. Multi-family construction, in particular, was described as robust in the Boston, New York, Atlanta, Chicago, and Dallas Districts. Residential rental markets continued to be characterized as strong, even in the New York and Atlanta Districts where rents increased somewhat less strongly than in recent months. Commercial real estate markets were mixed since the last report. Office markets showed signs of softening in the northeastern Districts--Boston, New York and Philadelphia--with New York remarking on substantial new supply coming on the market in early 2013. In contrast, Atlanta, Minneapolis and San Francisco noted some improvement, while most other Districts reported stable or mixed market conditions. Industrial markets showed some strength in the New York, Philadelphia, Cleveland and Atlanta Districts, while conditions were described as sluggish in Richmond and mixed in St. Louis. Atlanta noted weakness in the market for retail space. Commercial construction activity was also mixed: Atlanta, Minneapolis and Kansas City reported some improvement in non-residential construction activity, while Richmond and Dallas noted that activity was sluggish.
 Source: Fed

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Credit booms and financial crises

A new piece by Moritz Schularick and Alan Taylor is available at vox. The article compares the severity of financial crises:

The central part played by credit in the deep downturn and weak recovery fits a recurring historical pattern. Financial crises correlate with more painful recessions. This column takes a close look at 14 advanced economies over the past 140 years and shows that larger credit booms during expansions have been systematically associated with more severe and prolonged slumps. In short, credit bites back. Measured against the historical benchmark, the recent US recovery has been far better than could have been expected.

via Paul Krugman


Montag, 1. Oktober 2012

Where's the labour market recovery in Europe?


The unemployment rate in the euro area reached the highest on record as the festering debt crisis pushed the economy toward a recession, prompting companies to cut jobs.
Unemployment in the economy of the 17 nations using the euro was 11.4 percent in August, the same as in June and July after those months’ figures were revised higher, the European Union’s statistics office in Luxembourg said today. That’s the highest since the data series started in 1995 and in line with median of 30 economists’ forecasts in a Bloomberg News survey.
Source: Bloomberg