Freitag, 22. März 2013

Portugals Krise

Die Wirtschaft Portugals verzeichnete in den Jahren von 2000 bis 2012 weniger Wirtschaftswachstum als die USA in der Großen Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und Japan in den 1990er-Jahren ("verlorenes Jahrzehnt"). Ricardo Reis stellt in einem neuen Paper die Frage nach den Ursachen. Mit einem Modell erklärt er die Krise Portugals anhand einer Kombination von fehlalloziierten Kapitalzuflüssen und Steuererhöhungen. Portugals Krise im Jahr 2010 sei durch einen plötzlichen Stop von Kapitalzuflüssen verursacht worden, nach dem Austeritätspolitik, Lohnrigiditäten und anhaltende Probleme zwischen Bankensektor und Staat dazu beitrugen, dass der Output einbrach und dass Arbeitslosigkeit und Verschuldungsquote in Prozent des BIPs anstiegen. Reis argumentiert, dass aus den Erfahrungen Portugals in Bezug auf andere Länder die Lehre gezogen werden könne, dass die Fehlallokation von Kapital in unproduktive Wirtschaftssektoren die Ursache für große Einkommensunterschiede sein kann, die zwischen Ländern festzustellen sind.

Mittwoch, 20. März 2013

"Einlagensicherung war niemals als Schutz vor Einmalsteuern gedacht"

Das jedenfalls vernimmt man seitens der EU in Bezug auf die harsche Kritik an der Besteuerung von Bankeinlagen in Zypern, die unter €100.000 liegen. Die Einlagensicherung diene lediglich dem Schutz vor Bankpleiten, meint die EU. Ich frage mich, wieviele europäische Bürger diese Differenzierung wohl berücksichtigen werden, wenn es um die Frage geht, ob man die eigenen Ersparnisse vom Bankkonto oder Sparbuch abheben oder darauf vertrauen soll, dass es nicht neuerlich zu solchen Besteuerungsaktionen kommen wird. Ein Bankrun ist keine rationale Angelegenheit, sondern eine sich selbst erfüllende, panikartige Krise. Technokratische Argumentationen wie jene in Bezug auf die Einlagensicherung in der EU sind Schall und Rauch, wenn es ums Eingemachte geht.

Zypern: "Ein neuer Dummheitsstandard wurde gesetzt"

Clive Crook rügt Europas Politiker für den Umgang mit der Krise in Zypern:


The European Union’s astonishing fumbling over Cypriot banks has both immediate and longer-term implications. On March 21, when the banks are due to reopen, the question is whether a run will destroy the Cypriot banking system. If that can be avoided, the next question will be what’s left of the EU’s plans to reform its system of bank supervision -- and what happens the next time an EU bank gets into trouble.
The danger of a run is real. This past weekend, the government of Cyprus and its financial backers, the EU and the International Monetary Fund, settled on a bailout formula for troubled Cypriot banks that included a 6.75 percent levy on insured deposits. The ensuing outcry prompted a revision to the deal that will curb or eliminate this provision before the banks reopen. But the message has already been sent: In the EU, insured deposits aren’t safe.
Quelle: Bloomberg

Dienstag, 19. März 2013

Zyperns Bailout-Konditionen: "Ein Desaster"

Charles Wyplosz ist - um es zurückhaltend zu formulieren - nicht einverstanden mit der Einmalsteuer auf Bankeinlagen in zypriotischen Banken; er argumentiert, dass nun die Glaubwürdigkeit des Einlagensicherungssystems in ganz Europa in akuter Gefahr sei. Mit der Strukturierung des Bailout-Pakets für Zypern seien die Bedingungen für eine selbsterfüllende Krise in der ganzen Eurozone geschaffen worden, wenn auch Bankkunden in Ländern wie Italien und Spanien ihr Geld abheben, um eine befürchtete Besteuerung wie in Zypern zu vermeiden.

Kann eine Reform der Manager-Vergütung dazu führen, dass die starke Fokussierung auf kurzfristige Ziele und Resultate aufgeweicht wird?

Dieser Frage gehen Gregg Polsky und Andrew Lund in einem aktuellen Paper nach.

Blanchard et al. (2010): Makroökonomische Lehren aus der Krise

Aus keinem besonderen Anlass habe ich soeben wieder einmal das Paper von Blanchard, Dell'Ariccia und Mauro (2010) gelesen, die zunächst aufarbeiten, welche Umstände zu der unter Makroökonomen vor der Krise weit verbreiteten Überzeugung führten, dass alle geld- und fiskalpolitischen Instrumente zur Verfügung stünden, die notwendig sind, damit eine stets funktionierende Feinsteuerung der Wirtschaft gewährleistet werden kann. Doch das Paper hat auch mehr als drei Jahre nach der Veröffentlichung nicht an Aktualität eingebüßt, wenn es darum geht, Denkanstöße dafür zu liefern, welche geld-, fiskal- und regulierungspolitischen Fragestellungen zukunftsweisend sein werden. Es handelt sich hierbei um ein Paper, das jeder Wirtschaftsinteressierte gelesen haben sollte.

Montag, 18. März 2013

Links, 18. März: Bailouts und Bankruns

Ein paar interessante Links:

Antonio Fatas argumentiert, dass die mit dem Bail-out von Zyperns Banken verbundenen Konditionen (Haircut auf Spareinlagen bei Banken) als Präzedenzfall für den Umgang mit anderen Ländern interpretiert werden könnte, was Bankruns wahrscheinlicher mache.

Auch Wolfgang Münchau meint, dass Europa mit einem hohen Risiko verheerender Bankruns konfrontiert ist, weil mit dem Fall Zyperns die europäische Einlagensicherung de facto obsolet sei.

An dieser Stelle sei auf zwei interessante akademische Papers zu den oben angesprochenen Themen verwiesen, die - obwohl schon ein wenig älter - interessante Einsichten in die oben angeführten Zusammenhänge geben:

Diamond und Dybvig (1983) führen ein formales Modell für Bankruns ein; und Barry Eichengreen (1991) beschäftigt sich mit einer Kapitalabgabe als "Einmalsteuer"auf alle Vermögensinhaber mit dem Ziel des Abbaus öffentlicher Schulden, was für die Bailout-Konditionen in Bezug auf Zypern relevant ist.