Sonntag, 24. März 2013

Was wird nach dem Zypern-Bailout mit Bankeinlagen in der Eurozone passieren?

Worauf wird man nach dem Zypern-Debakel im Besonderen das Augenmerk richten müssen, um die möglichen Folgewirkungen des Bailouts abschätzen zu können? Die Antwort: auf Bankeinlagen, speziell jene in Spanien und Griechenland:

Deposits in the already weak banking systems of Spain and Greece seem to me the most likely to be at risk.  While there's no reason to expect a sudden rush for the exits in those countries, it may not be unreasonable for people to believe that a €100.000 deposit in Deutsche Bank or ING might be a bit safer than the same deposit in Caja Madrid or Pireaus Bank.  So why not shift some of that money, just to be on the safe side, before the next crisis hits the eurozone?

A gradual shift of deposits out of Spain and Greece could spell trouble for those banks, even if the shift is well short of what could be called a bank run.  As the chart above illustrates, Spain and Greece s saw their banks' deposits steadily leaving town during 2011 and the first half of 2012.  However, bank deposits in both countries stabilized in recent months, ever since the ECB's unequivocal statement in July 2012.  If people interpret this week's events as undermining that crucial statement by the ECB last July -- an interpretation that I certainly wouldn't argue with -- then we may expect to see the negative trend in peripheral bank deposits resume.  And with it the periphery's banking problems may resume as well.

Quelle: The Street Light

Freitag, 22. März 2013

Industrieproduktion in den USA und in Europa

Dass die amerikanische Wirtschaft sich zuletzt besser entwickelt hat als der EU-Wirtschaftsraum, ist bekannt. Tim Duy argumentiert in Bezug auf die Volkswirtschaft der USA "(that t)he recovery is here to stay. Not "stay" as in "permanent." I am not predicting the end of the business cycle. But "stay" until some point after the Federal Reserve begins to raise interest rates, which I don't expect until 2015. This doesn't mean you need to be happy about the pace of growth. But it does mean that a US recession in the next three years should be pretty far down on your list of concerns." Dieses Argument unterfüttert Duy mit der Analyse von aktuellem Datenmaterial. Darunter befindet sich auch folgende Grafik:


Der Industriemotor der USA brummt wieder; jedenfalls im Vergleich zu Europa. Denn als Durchschnittseuropäer kann man da eigentlich nur neidisch werden: Zuletzt sank die saisonbereinigte Industrieproduktion in der EU um 0,4%; im Gegensatz zu den USA stockt Europas Industriemotor seit geraumer Zeit, ohne dass mir ein gewichtiges ökonomisches Argument einfiele, warum sich das sehr bald zu Gunsten der Länder im europäischen Wirtschaftsraum ändern sollte.

Portugals Krise

Die Wirtschaft Portugals verzeichnete in den Jahren von 2000 bis 2012 weniger Wirtschaftswachstum als die USA in der Großen Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und Japan in den 1990er-Jahren ("verlorenes Jahrzehnt"). Ricardo Reis stellt in einem neuen Paper die Frage nach den Ursachen. Mit einem Modell erklärt er die Krise Portugals anhand einer Kombination von fehlalloziierten Kapitalzuflüssen und Steuererhöhungen. Portugals Krise im Jahr 2010 sei durch einen plötzlichen Stop von Kapitalzuflüssen verursacht worden, nach dem Austeritätspolitik, Lohnrigiditäten und anhaltende Probleme zwischen Bankensektor und Staat dazu beitrugen, dass der Output einbrach und dass Arbeitslosigkeit und Verschuldungsquote in Prozent des BIPs anstiegen. Reis argumentiert, dass aus den Erfahrungen Portugals in Bezug auf andere Länder die Lehre gezogen werden könne, dass die Fehlallokation von Kapital in unproduktive Wirtschaftssektoren die Ursache für große Einkommensunterschiede sein kann, die zwischen Ländern festzustellen sind.

Mittwoch, 20. März 2013

"Einlagensicherung war niemals als Schutz vor Einmalsteuern gedacht"

Das jedenfalls vernimmt man seitens der EU in Bezug auf die harsche Kritik an der Besteuerung von Bankeinlagen in Zypern, die unter €100.000 liegen. Die Einlagensicherung diene lediglich dem Schutz vor Bankpleiten, meint die EU. Ich frage mich, wieviele europäische Bürger diese Differenzierung wohl berücksichtigen werden, wenn es um die Frage geht, ob man die eigenen Ersparnisse vom Bankkonto oder Sparbuch abheben oder darauf vertrauen soll, dass es nicht neuerlich zu solchen Besteuerungsaktionen kommen wird. Ein Bankrun ist keine rationale Angelegenheit, sondern eine sich selbst erfüllende, panikartige Krise. Technokratische Argumentationen wie jene in Bezug auf die Einlagensicherung in der EU sind Schall und Rauch, wenn es ums Eingemachte geht.

Zypern: "Ein neuer Dummheitsstandard wurde gesetzt"

Clive Crook rügt Europas Politiker für den Umgang mit der Krise in Zypern:


The European Union’s astonishing fumbling over Cypriot banks has both immediate and longer-term implications. On March 21, when the banks are due to reopen, the question is whether a run will destroy the Cypriot banking system. If that can be avoided, the next question will be what’s left of the EU’s plans to reform its system of bank supervision -- and what happens the next time an EU bank gets into trouble.
The danger of a run is real. This past weekend, the government of Cyprus and its financial backers, the EU and the International Monetary Fund, settled on a bailout formula for troubled Cypriot banks that included a 6.75 percent levy on insured deposits. The ensuing outcry prompted a revision to the deal that will curb or eliminate this provision before the banks reopen. But the message has already been sent: In the EU, insured deposits aren’t safe.
Quelle: Bloomberg

Dienstag, 19. März 2013

Zyperns Bailout-Konditionen: "Ein Desaster"

Charles Wyplosz ist - um es zurückhaltend zu formulieren - nicht einverstanden mit der Einmalsteuer auf Bankeinlagen in zypriotischen Banken; er argumentiert, dass nun die Glaubwürdigkeit des Einlagensicherungssystems in ganz Europa in akuter Gefahr sei. Mit der Strukturierung des Bailout-Pakets für Zypern seien die Bedingungen für eine selbsterfüllende Krise in der ganzen Eurozone geschaffen worden, wenn auch Bankkunden in Ländern wie Italien und Spanien ihr Geld abheben, um eine befürchtete Besteuerung wie in Zypern zu vermeiden.

Kann eine Reform der Manager-Vergütung dazu führen, dass die starke Fokussierung auf kurzfristige Ziele und Resultate aufgeweicht wird?

Dieser Frage gehen Gregg Polsky und Andrew Lund in einem aktuellen Paper nach.