Freitag, 10. September 2010

Arbeitslosigkeit in den USA. Über die Aussicht auf eine Wachstumsrezession

Auf den amerikanischen Arbeitsmärkten wird sich aller Voraussicht nach auch im Jahr 2011 keine Entspannung einstellen. Darauf lässt jedenfalls die nachfolgend ausschnittsweise zitierte ökonomische Analyse schließen:

[...] the economy will manage to post positive headline GDP numbers, but this growth will not be fast enough to keep the unemployment rate from drifting higher.

[...]

With below-trend growth we expect the unemployment rate to climb back above 10%.

[...]

While the bulk of the recent data have been very weak, the most disturbing has
been the sharp loss of momentum in private sector employment growth.

[...]

Private payrolls manage tepid monthly gains of just 25,000 through the end
of 2010. As the growth recession fades in the second half of 2011, gains in
private payroll employment should accelerate. We expect average monthly
gains of 125,000 in the fourth quarter of 2011.

Therefore, for most of 2010 and 2011, employment growth is not expected to
keep up with the rise in the labor force, which means the unemployment rate
heads north. We expect a steady increase to 10.1% by the second quarter
with a slow fall slightly below 10.0% by the end of 2011.


Im zitierten Report betonen die Autoren, dass sie einen Double-Dip für unwahrscheinlich halten; es werde vielmehr zu einer Wachstumsrezession kommen, in der die Arbeitnehmer aufgrund der anhaltenden Probleme am Arbeitsmarkt vom (ohnehin schwachen) Wirtschaftswachstum nicht viel mitbekommen werden.

Es wird sich wie eine prolongierte Rezession anfühlen, auch wenn es - technisch gesprochen - keine sein wird.

Donnerstag, 9. September 2010

Obama der Redner. Über die wirtschaftlichen Probleme der USA und die anstehenden Wahlen

Obama hat wieder einmal das getan, was er am besten kann, nämlich eine Rede halten:

“A lot has changed since I came here in those final days of the last election,” Mr. Obama told a largely sympathetic crowd of around 3,000 at the Cuyahoga Community College campus in Parma, a Cleveland suburb. “But what hasn’t is the choice facing this country. It’s still fear versus hope; the past versus the future. It’s still a choice between sliding backward and moving forward.”

[...]

In keeping with his populist tone, and defending government programs, the president spoke of how his mother and grandparents had struggled to make ends meet. His family, he said, “believed in an America that gave my grandfather the chance to go to college because of the G.I. bill. An America that gave my grandparents the chance to buy a home because of the Federal Housing Authority. An America that gave their children and grandchildren the chance to fulfill our dreams thanks to college loans and college scholarships.”


Natürlich muss Obama als Präsident anders agieren und argumentieren als er dies noch als Präsidentschaftskandidat tun konnte. Den Hang zum Pathetischen, zur großen rhetorischen Geste, zum wortgewandten Übermut des Visionärs hat er jedoch auch als Amtsträger nicht abgelegt.

Die Menschen in den USA sind jedoch offensichtlich von der Substanz, die sie hinter den großen Reden des großen Redners verorten, nicht überzeugt: Obamas Umfragewerte werden kontinuierlich schlechter, d.h. immer weniger Amerikaner sprechen ihrem Präsidenten ihr Vertrauen aus, und immer mehr Amerikaner setzen eher kein Vertrauen in seine Politik.

Obamas Hauptproblem ist, dass die Wirtschaft nicht in die Gänge kommt. Die Daten und Indikatorwerte, die in den letzten Wochen über die amerikanische Wirtschaft veröffentlicht wurden, waren enttäuschend. Es ist nicht davon auszugehen, dass die USA mit starkem Wirtschaftswachstum die Krise rasch hinter sich lassen werden. Die Probleme auf den Häusermärkten setzen sich fort; bei den aktuellen - wie einige meinen: immer noch zu hohen - Preisen besteht ein Überangebot an Häusern, für die schlicht keine Käufer gefunden werden können. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 9,6% auf einem konstant hohen Niveau. Und die bestehenden Unsicherheiten tragen ihres zum weiter bestehenden Druck auf Preise und Löhne bei, was dazu führt, dass die Deflationssorgen weiterhin real sind.

Obama tritt in dieser Situation einer schwächelnden Volkswirtschaft dafür ein, weitere 50 Milliarden Dollar für Infrastruktur auszugeben. Für Unternehmen soll es Steuererleichterungen geben, indem Neuinvestitionen schon 2011 voll abgeschrieben werden können. Und, ach ja: Die sogenannten "Bush tax cuts" für Reiche sollen auslaufen.

Was von dem genannten sowie von weiteren kursierenden Vorschlägen zur Unterstützung der Wirtschaft tatsächlich umgesetzt werden kann, wird sich zeigen. Eines ist klar: Vor dem Hintergrund der anstehenden Midterm Elections ist die Obama-Administration unter Zugzwang. Die Zeiten, als Barack der Redner noch einfach mit einer schönen Rede punkten konnte, diese Zeiten sind längst vorbei.

Mittwoch, 8. September 2010

Raucher und Trinker helfen dem Staat bei der Lösung sozialer Probleme. Über die Besteuerung von Alkohol und Tabak

Diese, nun ja, etwas ungewöhnliche Ansicht verbreitet jedenfalls der russische Finanzminister Alexei Kudrin. Von einem Politiker würde man wohl eher erwarten, dass dieser auf die sozialen Probleme aufmerksam macht, die aufgrund des (übermäßigen) Konsums von Rauschmitteln entstehen. (Natürlich verursachen die meisten Leute, die Alkohol und Tabak konsumieren, keine sozialen Probleme. Dass die beiden Rauschmittel jedoch in vielen sozialen und gesundheitlichen Skandal- und Problemfällen eine wesentliche Rolle spielen, ist wohl unbestritten.)

Die politische Rechtfertigung für erhöhte Steuern auf Tabak und Alkohol besteht darin, dass der höhere Preis den Konsum, welcher als schädlich angesehen wird, reduzieren soll. Die Steuern auf Tabak und Alkohol werden also, so man Politiker beim Wort nehmen will, als Lenkungssteuer eingesetzt. (Dass man Politiker nicht immer beim Wort nehmen sollte, ist zweifelsohne ratsam.)

Kudrin will mit der höheren Besteuerung jedoch keinen Lenkungseffekt erzielen; ihm geht es ausdrücklich um die Generierung von staatlichen Einnahmen. Kudrin argumentiert, dass höhere Steuereinnahmen aus Tabak- und Alkoholsteuer dem Staat mehr Mittel zur Lösung sozialer Probleme zur Hand geben:

Speaking as the Russian government announces plan to raise duty on alcohol and cigarettes, Alexei Kudrin said that by smoking a pack, “you are giving more to help solve social problems such as boosting demographics, developing other social services and upholding birth rates”.

People should understand: Those who drink, those who smoke are doing more to help the state,” he told the Interfax news agency.

Alcohol and cigarette consumption are already extremely high in Russia, where 65 per cent of men smoke and the average Russian consumes 18 litres of alcoholic beverages per year, mainly vodka, according to official statistics.

[...]

The finance ministry in June announced plans to more than double excise duty on cigarettes over the next three years from 250 roubles (£5.30) per 1,000 filtered cigarettes to 590 roubles (£12.50) in 2013.
Richtig, Herr Kudrin. Und warum erwähnen Sie nicht außerdem, dass durch gesteigerten Alkohol- und Nikotinkonsum der Staat entlastet wird, weil mehr Menschen früher sterben und dadurch die Pensionskassen weniger stark beansprucht werden? Achso, soziale Probleme wie die stark erhöhte Sterblichkeit unter russischen Männern im erwerbsfähigen Alter sollte man dann wohl auch als Politiker nicht über Gebühr ausschlachten.

Zu viel Zynismus könnte dann vielleicht doch der politischen Karriere schaden.

Dienstag, 7. September 2010

Die "Flo-Mi-Ca - Rezession"

Nicht alle amerikanischen Bundesstaaten sind gleichermaßen von anhaltend hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Es ist vielmehr so, dass sich das Problem insbesondere in drei Bundesstaaten ganz besonders heftig manifestiert: in Florida, Kalifornien und Michigan. Warum dem so ist? Ed Glaeser hat eine Erklärung parat:

At the other end of the spectrum are Florida, Michigan and California — the epicenters of the downturn. Together, those states contain 39 of the 65 metropolitan areas in the 50 states with unemployment rates above 12 percent. They contained a majority of the areas with unemployment rates of more than 12 percent a year ago, as well. There are certainly places outside of this three-state group that have suffered greatly, like Nevada; Providence, R.I.; and especially Yuma, Ariz., which has an unemployment rate of 28.7 percent.

But Florida, Michigan and California are the three large states with unemployment rates of 12 percent or more.

Why has economic pain come to three states that are, in so many ways, completely unlike each other? One view is that their current suffering is the hangover of past success and a reflection of an abundance of people relative to economic activity. [...]

It is a great thing that the world has grown rich enough that people can choose where to live on the basis of climate or glossy new housing, rather than earnings.

But any time there are lot of people relative to economic activity, a city is vulnerable, which perhaps explains why such an unlikely combination of states have come together to give us the Flo-Mi-Ca recession.

Samstag, 4. September 2010

Das Beschäftigungsbild in Rezessionen

Einen eindrucksvollen Graphen findet man bei Calculated Risk. Dieser zeigt im Vergleich der Rezessionen, die die amerikanische Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat, wie schlimm die Auswirkungen auf die Beschäftigung jeweils waren.

Donnerstag, 2. September 2010

Starke Währungen, schwache Währungen

Heute ist in der NYT zu lesen:

European companies tend to focus on the dollar exchange rate, because the U.S. currency is the most important for world trade. But the yen’s recent strengthening is playing a role in Germany’s export boom as well.

The euro has fallen 19 percent against the yen in the past year, nearly double the decline against the dollar. And the euro is down more than 36 percent against the yen since August 2008.

A stronger yen is good news for German machinery and auto companies whose main competitors often are based in Japan. And it is, of course, bad news in Japan, where the strong currency has become a political issue.

Die Japaner sind über die Entwicklung der Wechselkurse natürlich gar nicht erfreut; die volkswirtschaftlichen Probleme wären eigentlich auch so schon schwerwiegend genug.


Mittwoch, 1. September 2010

Verkaufsrückgang für Chrysler und Ford im August

Die Verkaufszahlen bei Chrysler und Ford sehen für August wieder deutlich schlechter aus als noch vor einem Jahr.

Erstens kommt die Wirtschaft nicht in die Gänge, was natürlich auch die Autobranche betrifft; sinkende Einkommen bedingen eine geringere Nachfrage nach neuen Autos. Und zweitens gibt es heute keine Abwrackprämie mehr, die im Sommer vergangenen Jahres die Verkaufszahlen noch ordentlich in die Höhe getrieben hatte. Diese beiden Gründe können neben der Tatsache, dass die großen amerikanischen Autobauer noch viel Arbeit in die Umgestaltung ihrer Produktpalette hin zu modernen, sparsamen, nutzerfreundlichen Fahrzeugen stecken werden müssen, als Erklärung für den Verkaufsrückgang angeführt werden.