Dienstag, 10. August 2010

Inflation oder Deflation? Über die Schwierigkeiten geldpolitischer Entscheidungen

Die wirtschaftliche Erholung geht nicht so rasch vor sich, wie man sich das wünschen würde. Sowohl in den USA als auch in Europa ist die Situation auf den Arbeitsmärkten weiterhin äußerst angespannt; die Wachstumsaussichten sind ernüchternd. Immer wieder wird auf das abschreckende Beispiel Japans, das in den 1990er-Jahren mit äußerst langsamem Wirtschaftswachstum und fortwährendem deflationärem Druck zu kämpfen hatte, hingewiesen. Das Eintreten eines solchen Szenarios müsse unter allen Umständen verhindert werden, beteuern die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger.

Aufgrund der anhaltend niedrigen Leitzinsen und der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken machen sich einige Experten gleichzeitig über Inflation sorgen. Die Warnung lautet: Wer derartig viel billiges Geld in die Wirtschaft pumpt, wird in absehbarer Zeit die Rechnung in Form einer stark erhöhten Inflationsrate präsentiert bekommen. Außerdem schafft die derzeitige Geldpolitik bereits die Voraussetzungen für die nächste Krise: Wo billiges Geld zur Spekulation einlädt, entstehen über kurz oder lang Spekulationsblasen. Und was das Platzen solcher Blasen auslösen kann, hat zuletzt die Subprime-Krise in den USA aufgezeigt.

Die Zentralbanken müssen ihre geldpolitischen Entscheidungen vor dem Hintergrund, dass viele Wirtschaftsexperten hinsichtlich ihrer Deflations- und Inflationssorgen unterschiedlicher Meinung sind, treffen. Ein Artikel in der NYT weist darauf hin, dass sich die Federal Reserve momentan stärker der Bekämpfung der Deflationssorgen verpflichtet sieht:

A string of developments, including the weak jobs report last Friday, has altered the sentiment within the central bank, leading Fed policy makers to stop worrying for the moment about the increasingly remote prospect of inflation. Instead, they are increasingly focused on the potential for the economy to slip into a deflationary spiral of declining demand, prices and wages.